Standort oder Stil? Warum 2025 die Lage beim Immobilienwert nicht mehr alles ist
„Lage, Lage, Lage“ war lange die goldene Regel der Immobilienbewertung. 2025 bleibt die Adresse wichtig – doch sie erklärt den Markt nicht mehr vollständig. Energieeffizienz, Nutzungsqualität, digitale Infrastruktur, Bauzustand und zukünftige Betriebskosten bestimmen zunehmend, ob eine Immobilie Nachfrage, stabile Mieten und einen verlässlichen Wiederverkaufswert erzielt. In einem Markt mit Zinsplateau und selektiver Nachfrage setzt sich nicht mehr die „best address“, sondern die „best prepared asset“ durch.
Lage bleibt wichtig – aber sie erklärt nicht mehr alles
Makro- und Mikrolage beeinflussen weiterhin Objektrisiken: Erreichbarkeit, Angebotsknappheit, Lärm, Nahversorgung. Doch Homeoffice, flexible Arbeitsmodelle und die Verschiebung von Pendlerströmen relativieren den Standortbonus mancher Kernlagen. Gleichzeitig gewinnen ehemals „zweite“ Lagen mit guter ÖPNV-Anbindung, stabiler Nachbarschaft und moderater Dichte an Attraktivität – vorausgesetzt, Gebäudequalität und Energiebilanz stimmen. Käufer und Mieter gewichten heute die Gesamtkosten des Wohnens (Kaltmiete/Kaufpreis plus Nebenkosten und Sanierungsrisiken) höher als die reine Adresse.
Die neuen Werttreiber jenseits der Adresse
- Energieeffizienz und Betriebskosten: Ein guter Energieausweis (A–B) senkt Nebenkosten, reduziert CO₂-Kosten und steigert Finanzierbarkeit und Netto-Miete.
- Grundriss-Flexibilität: Räume, die Homeoffice, Kinderzimmer oder Pflege organisieren können, wirken wertstabilisierend; Durchgangszimmer und starre Zuschnitte mindern Wert.
- Sanierungsstand und CAPEX-Transparenz: Erneuerte Hülle, Leitungen, Dach, Heizung und Fenster verringern zukünftige Investitionsspitzen.
- Digitale Infrastruktur: Glasfaser/Kabel, stabile Mobilfunkversorgung, Smart-Home-Basis (z. B. steuerbare Heizung) sind Vermietungsargumente.
- Akustik, Licht, Luft: Schalldämmung, Tageslicht, schadstoffarme Materialien erhöhen die Aufenthaltsqualität – messbar in geringerer Fluktuation.
- Barrierearme Zugänge: Aufzug, stufenarme Lösungen und breite Türen sichern Zielgruppen.
- Nachhaltigkeit und Regulierung: Wärmewende, lokale Satzungen und Förderlogik (KfW, kommunale Programme) beeinflussen Rendite und Exit.
Diese Faktoren sind bewertbar: durch laufende Nebenkosten, Mieterfluktuation, Leerstandszeiten und die Höhe zukünftiger Instandhaltung (CAPEX). Wer hier Transparenz schafft, gewinnt – auch in nicht-ikonischen Lagen.
Kurz gerechnet: Wie Effizienz Wert schafft
Annahme: 100 m² Wohnung. Objekt A (Klasse D) hat Energiekosten von ca. 3,50 €/m²/Monat, Objekt B (Klasse A) 1,20 €/m²/Monat.
Delta Betriebskosten: (3,50 – 1,20) × 100 × 12 = 2.760 € pro Jahr.
Kapitalisiert bei 4,0 % Marktrendite ergeben 2.760 € ≈ 69.000 € Wertdifferenz – nur durch geringere Betriebskosten. Förderungen können die Sanierungskosten zusätzlich senken. Annahmen variieren je Region und Energiepreisniveau, die Logik bleibt jedoch: Effizienz hebt den Barwert.
Stil als Wert: Design dient der Funktion
„Stil“ ist nicht Dekoration, sondern die Summe aus Materialqualität, Ergonomie und Dauerhaftigkeit. Zeitlose Bäder mit Markenarmaturen, robuste Bodenbeläge (z. B. Eiche, Feinsteinzeug), gute Einbauküchen, strukturierte Stauraumlösungen und hochwertige Beschläge reduzieren Instandhaltung und Leerstand. Tageslichtführung, neutrale Farbigkeiten und durchdachte Steckdosen-/LAN-Punkte sind für Homeoffice entscheidend. Wichtig: Trendiges, kurzlebiges Design zahlt selten auf den Wert ein – langlebige, reparaturfreundliche Lösungen schon.
Vergleich: Erstklassige Lage vs. exzellenter Zustand
Beispiel (vereinfachte Annahme): Zwei 70-m²-Wohnungen in derselben Stadt. Objekt 1 in Toplage, unsaniert (E, einfaches Bad), 16 €/m² Kaltmiete, Nebenkosten hoch. Objekt 2 in guter Nebenlage, hochwertig saniert (B, Schallschutz, neue Fenster), 15 €/m² Kaltmiete, Nebenkosten deutlich niedriger. Warmmiete annähernd gleich – aber Wohnung 2 erzielt kürzere Vermarktungszeiten, weniger Reklamationen und geringere Folgekosten. Im Verkauf akzeptieren Käufer eher die „Nebenlagen-Adresse“, wenn CAPEX-Risiken gering und Betriebskosten transparent sind.
Typische Fehler & Lösungen (2025)
Errore: Nur Lage-Benchmarks vergleichen. Soluzione: Warmmiete/Kaltmiete-Quote und Energieausweis einbeziehen.
Errore: Sanierung „auf Optik“. Soluzione: Erst Hülle/Technik (Fenster, Dämmung, Heizung), dann Oberflächen.
Errore: CAPEX unterschätzen. Soluzione: 10-Jahres-Instandhaltungsplan mit Preispuffer und Fördertauglichkeit.
Errore: Digitales ignorieren. Soluzione: Glasfaser prüfen, Routerposition, Mobilfunk im Grundriss testen.
So prüfen Eigentümer und Käufer den „Post-Lage“-Wert in 10 Minuten
- Energieausweis checken: Klasse, Endenergiebedarf, Baujahr Anlagentechnik, empfohlene Maßnahmen.
- Nebenkostenquote berechnen: Warmmiete/Kaltmiete – Ziel in effizienten Objekten: 1,15–1,25; darüber besteht Optimierungsbedarf.
- Grundriss-Funktion: Gibt es einen ruhigen Arbeitsplatz? Türbreiten, Stellflächen, Lichtachsen prüfen.
- Schallschutz & Lage im Gebäude: Straßenseite, Aufzugslärm, Trittschall – kurze Hörprobe zu Stoßzeiten.
- Digitale Infrastruktur: Glasfaser/Koax verfügbar? Mobilfunk (z. B. Speedtest) im Schlaf- und Arbeitszimmer.
- Sanierungsfahrplan: Liegen Dach, Fassade, Leitungen, Heizung in den nächsten 10 Jahren an? Angebote/Schätzwerte bündeln.
- Fördermittel und CO₂-Kosten: Prüfen, welche Zuschüsse/Kredite möglich sind; steigende CO₂-Preise einkalkulieren.
- Gemeinschaft und Rücklagen (WEG): Protokolle lesen, Rücklagenstand vs. anstehende Maßnahmen abgleichen.
- Miet- und Exit-Fähigkeit: Zielgruppe definieren (Single, Familie, Senior), Vermarktbarkeit in 6/12 Monaten einschätzen.
Wer diese Punkte sauber dokumentiert, schafft einen belegbaren „Wert jenseits der Lage“. Das reduziert Preisverhandlungen und beschleunigt Finanzierungsfreigaben.
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